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Evidenz in der Medizin

Unter Evidenzbasierter Medizin (EbM) im engeren Sinne versteht man eine Vorgehensweise des medizinischen Handelns, individuelle Patienten auf der Basis der besten zur Verfügung stehenden Daten zu versorgen.

Diese Technik umfasst:

  • die systematische Suche nach der relevanten Evidenz in der medizinischen Literatur für ein konkretes klinisches Problem;
  • die kritische Beurteilung der Validität der Evidenz nach klinisch-epidemiologischen Gesichtspunkten;
  • die Bewertung der Größe des beobachteten Effekts sowie
  • die Anwendung dieser Evidenz auf den konkreten Patienten mit Hilfe der klinischen Erfahrung und der Vorstellungen des Patienten.

Ein verwandter Begriff ist die Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung ("Evidence-based Health Care"), bei der die Prinzipien der EbM auf alle Bereiche der Gesundheitsversorgung, einschließlich Entscheidungen zur Steuerung des Gesundheitssystems, angewandt werden.

Der Begriff "Evidenz" im Kontext der Evidenzbasierten Medizin leitet sich vom englischen Wort "evidence" = Nach-, Beweis ab und bezieht sich auf die Informationen aus klinischen Studien, die einen Sachverhalt erhärten oder widerlegen. 

(Auszug aus dem Glossar des Deutschen Netwerks Evidenzbasierte Medizin - DNEbM)

siehe auch:


Zahlen zur evidenzbasierten Gesundheitsversorgung

Zum Anteil "evidenzbasierter" Leistungen im Gesundheitswesen bestehen unterschiedliche Meinungen. Studienergebnisse zu diesem Komplex variieren erheblich (von ca. 10 bis 80% je nach Design, Setting, Zielgrößen und Definition von Evidenz) [1]

Eine Möglichkeit, sich dieser Frage zu nähern, ist die Analyse der Zielerreichung von Leitlinien-gestützten Indikatoren der Versorgungsqualität. Hierzu publizierten z. B. McGlynn et al (2003) [2], Kerr et al (2004) [3] und Asch et al (2004, 2006) [4; 5; 6] Ergebnisse für 30 chronische und akute Krankheiten.

Insgesamt erhielten die Studienteilnehmer im Mittel in 51 bis 80 % der Fälle eine von Leitlinien empfohlene Versorgung.

Dabei fanden sich deutliche Unterschiede in Bezug auf verschiedene Krankheitsformen und Versorgungsinstitutionen (s. Tabelle 1).

Vergleichbare Untersuchungen, die die Versorgungsqualität im deutschen Gesundheitssystem beschreiben könnten, sind bisher nicht bekannt.

Tabelle 1: Leitlinienbasierte Gesundheitsversorgung - Vergleich zwischen verschiedenen Versorgungssystemen in den USA
Analysezeit: 1997-1999 (Asch et al. 2004)

 

Versorgungsproblem % Versorgungsfälle mit
Leitlinien-basierter Versorgung
Gemeinde-bezogene
Versorgung
Veterans Administration
Alle untersuchten Erkrankungen 51 67
Chronische Erkrankungen 59 72
- COPD 59 69
- Depression 62 80
- Diabetes 57 70
- Hypertonie
65 78
- KHK 70 73
Präventive Maßnahmen 44 64
Akutversorgung 53 55

 

Literatur

  1. Neises und Windeler. Wie viel ist "evidenzbasiert"? Eine Übersicht zum aktuellen Forschungsstand.
    ZaeFQ 2001;95(2):95-104  | 2 MB
  2. McGlynn et al. The Quality of Health Care Delivered to Adults in the United States.
    NEJM 2003;348:2635-45.
  3. Kerr et al. Profiling The Quality Of Care In Twelve Communities: Results From The CQI Study.
    Health Affairs 2004; 23:247-56.
  4. Asch et al. Comparison of Quality of Care for Patients in the Veterans Health Administration and Patients in a National Sample.
    Ann Intern Med 2004;141:938-45.
  5. Asch et al. Who Is at Greatest Risk for Receiving Poor-Quality Health Care?
    NEJM 2006;354:1147-56.
  6. Rand Corporation. The First National Report Card on Quality of Health Care in America.
    RAND Research Highlights 2006

 

Letzte Aktualisierung: 23.08.2011

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