Anwendung von OP-Checklisten verpflichtend: Nutzen Sie die Erfahrungen aus dem High 5s-Projekt

Laut der gültigen Qualitätsmanagement-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) sind OP-Checklisten verpflichtend anzuwenden. Es wird keine standardisierte OP-Checkliste empfohlen, sondern eine einrichtungsspezifische Entwicklung. Nutzen Sie die vom ÄZQ bereitgestellten Materialien und Erfahrungen aus dem internationalen High 5s-Projekt für die Umsetzung der Richtlinie.

 

Am 16. November 2016 ist der Beschluss des G-BA über eine sektorenübergreifend geltende Qualitätsmanagement-Richtlinie in Kraft getreten. Laut der Richtlinie sind OP-Checklisten verpflichtend anzuwenden [1]:
"Bei operativen Eingriffen, die unter Beteiligung von zwei oder mehr Ärztinnen bzw. Ärzten oder die unter Sedierung erfolgen, werden OP-Checklisten eingesetzt. Diese OP-Checklisten sollen einrichtungsspezifisch entwickelt und genutzt werden sowie alle am Eingriff Beteiligten einbeziehen. Insbesondere sind sie auf die Erkennung und Vermeidung unerwünschter Ereignisse und Risiken auszurichten, wie z. B. Patienten-, Eingriffs- und Seitenverwechslungen und schwerwiegende Komplikationen. Gleichzeitig beinhalten sie Fragen zum Vorhandensein und zur Funktion des erforderlichen Equipments."

Um die Machbarkeit der Implementierung eines standardisierten Prozesses zur Vermeidung von Eingriffsverwechslungen mit dem Kernelement einer OP-Checkliste zu untersuchen, nahm Deutschland an dem internationalen Projekt der WHO "Action on Patient Safety: High 5s" teil. Das Projekt wurde national vom BMG gefördert und durch das ÄZQ und dem IfPS der Universität Bonn, im Auftrag des APS, umgesetzt.

Von 2010 bis Ende 2013 wurden in 16 deutschen Krankenhäusern unterschiedlicher Versorgungsstufen eine standardisierte Handlungsempfehlung und OP-Checkliste implementiert und evaluiert. Dabei entstanden neun unterschiedliche Checklisten-Versionen, welche die High 5s-Mindestvorgaben beinhalten und beispielsweise mit der "WHO Surgical Safety Checklist" [2] kombiniert sind.

Die Erfahrungen aus dem High 5s-Projekt zeigen, dass die lokale Adaptation der OP-Checkliste ein wesentlicher Bestandteil für das Gelingen der Implementierung und wichtig für die Wirksamkeit ist. Das Abhaken der Checkliste allein reicht für die Verbesserung der Patientensicherheit nicht aus. Im Rahmen der Implementierung ist es erforderlich die hinter den Abfragen stehenden Prozesse und Prüfverfahren im Team festzulegen und Verantwortlichkeiten zu definieren.

Diese Projektergebnisse spiegeln sich in der Qualitätsmanagementrichtlinie des G-BA wieder. Es wird keine standardisierte OP-Checkliste in der Richtlinie empfohlen, sondern eine einrichtungsspezifische Entwicklung. Die Arbeitsmaterialien und Erfahrungen aus dem High 5s-Projekt werden vom ÄZQ in einer Toolbox kostenfrei bereitgestellt. Sie sollen bei der sicheren Gestaltung des prä- und perioperativen Versorgungsprozesses und der erfolgreichen Umsetzung einer OP-Checkliste unterstützen. Die Toolbox – Vermeidung von Eingriffsverwechslungen ist abrufbar unter:
www.aezq.de/patientensicherheit/h5s/high-5s-toolboxen/toolbox-vermeidung-eingriffsverwechslungen

Quellen

  1. Gemeinsamer Bundesausschuss (GB-A). Qualitätsmanagement-Richtlinie: Erstfassung. 2016 [cited: 2017 Jan 03]. Available from: www.g-ba.de/informationen/beschluesse/2434
  2. World Health Organization (WHO). WHO surgical safety checklist and implementation manual. 2008 [cited: 2017 Jan 03]. Available from: www.who.int/patientsafety/safesurgery/ss_checklist/en

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      zuletzt verändert: 04.01.2017 09:08