Prävention im Bereich Patientensicherheit

Die Prävention von unerwünschten Ereignissen ist das Ziel aller Aktivitäten im Bereich Patientensicherheit.

Entscheidend hierfür ist die in der jeweiligen Institution vorherrschende Sicherheitskultur. Die Sicherheitskultur kann durch spezifische Maßnahmen und durch das Engagement Einzelner aufgebaut und etabliert werden. Es besteht ein Wechselspiel zwischen Sicherheitskultur und Maßnahmen zur Verbesserung der Patientensicherheit – eine Einführung von Maßnahmen ohne vorherrschende Sicherheitskultur ist mühsam, andererseits kann jedoch die Einführung von Maßnahmen die Sicherheitskultur verändern

Unter Sicherheitskultur in der Medizin versteht man, dass eine Organisation (z. B. Arztpraxis, Krankenhaus) dauerhaft und auf allen Ebenen (Leitungsebene bis Mitarbeiterebene) danach strebt, dass Patienten (aber auch die Mitarbeiter) keine (vermeidbaren) unerwünschten Ereignisse durch die Gesundheitsversorgung davontragen.

Dabei spielen folgende Komponenten eine Rolle: Definition nach Pizzi, Goldfarb, 2001

  1. Bewusstsein, dass die Medizin ein Arbeitsfeld mit hohen Risiken – insbesondere für die Patienten – ist.
  2. Atmosphäre, in der Mitarbeiter Fehler oder Beinahe-Behandlungsschäden berichten können, ohne Bestrafung fürchten zu müssen. Es existiert eine "just culture" und keine "blame and shame culture", und es kann aus kritischen Ereignissen gelernt werden. (s. a. CIRSmedical.de)
  3. Zusammenarbeit über Hierarchien, Sektor- und Fachdisziplingrenzen hinweg, um Sicherheitslücken zu schließen.
  4. Bereitschaft der Organisation, Ressourcen (z. B. Zeit, Geld) in die Verbesserung der Sicherheit zu investieren.


Quelle Tab.: Pizzi LT, Goldfarb N. Promoting a Culture of Safety. Making Health Care Safer: A Critical Analysis of Patient Safety Practices. Evidence Report/Technology Assessment: Number 43, Chapter 40. Ed. D. B. Nash. Rockville: Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ), 2001.

Die Sicherheitskultur von Organisationen kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Um den Mitarbeitern in Arztpraxen und Krankenhäusern Hinweise zu geben, wie und in welchen Bereichen die Sicherheitskultur verbessert werden kann, wurden Erhebungsbögen zur Sicherheitskultur entwickelt.

 

Manchester Patient Safety Framework (MaPSaF)


Das Manchester Patient Safety Framework (MaPSaF) wurde an der Universität Manchester entwickelt. Darin wird die Sicherheitskultur einer Organisation in 10 Bereiche unterteilt, die wiederum je 5 Ausprägungsstufen (Reifgrade) haben können.

Der "MaPSaF" kann beispielweise für folgende Ziele verwendet werden:

  • Um die Reflektion der eigenen Sicherheitskultur zu unterstützen
  • Um eine Diskussion zu Stärken und Schwächen der Sicherheitskultur anzustoßen
  • Um unterschiedliche Wahrnehmung der Sicherheitskultur in verschiedenen Berufsgruppen zu erkennen.
  • Um zu zeigen, wie eine "reifere" Sicherheitskultur aussehen könnte.
  • Um eine spezifische Intervention zur Förderung der Sicherheitskultur zu evaluieren.

 

Erhebungsbogen zur Sicherheitskultur und Patientensicherheit der Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ)


Ein weiterer englischsprachiger Erhebungsbogen zur Sicherheitskultur und Patientensicherheit wurde von der Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ) entwickelt und an unterschiedliche Versorgungsbereiche (Krankenhaus, Pflegeheim, Arztpraxis) adaptiert.

Organisationen können mit diesem Fragebogen:

  • Ihre Patientensicherheitskultur messen
  • Veränderungen über die Zeit darstellen
  • Den Einfluss von Maßnahmen zur Stärkung der Patientensicherheit evaluieren.

Auf der Webseite der AHRQ finden sich die englischsprachigen Fragebögen. (Patient Safety Culture Surveys. April 2009. Agency for Healthcare Research and Quality, Rockville, MD.)

 

Deutschsprachiger Fragebogen zum Sicherheitsklima in Hausarztpraxen


Ein deutschsprachiger Fragebogen zum Sicherheitsklima in Hausarztpraxen wurde vom Institut für Allgemeinmedizin der Universität Frankfurt a. M. entwickelt. Er basiert auf dem Safety Attitudes Questionaire, ambulatory version (SAQ-A) und wurde in einem 5 stufigen Prozess übersetzt und an die Gegebenheiten deutscher Hausarztpraxen angepasst. (Hoffman B, Domanska OM, Müller V, Gerlach FM. Entwicklung des Fragebogens zum Sicherheitsklima in Hausarztpraxen (FraSiK): Transkulturelle Adaptation - ein Methodenbericht. Z Evid Fortbild Qual 2009;103(8):521-29. )

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zuletzt verändert: 15.02.2013 11:56